Vom Wert menschlicher Geheimnisse

Erinnert Ihr Euch noch an Euer allererstes Geheimnis? 
Habt Ihr es versteckt, damit niemand es findet? Es mit klopfendem Herzen einem Freund oder einer Freundin erzählt? 

Vielleicht war es ein Schatz, vielleicht eine Liebe, die nicht sein durfte. Vielleicht aber auch eine Lüge oder Missetat. 

Es gibt den Ausdruck »Ein Geheimnis hüten« nicht ohne Grund. Man hütet nur, was wertvoll ist. 

Versteht mich nicht falsch, ich bin Verfechterin der Wahrheit und zerre schmutzige Unternehmensgeheimnisse nur allzu gerne ans Licht. Die meine ich auch gar nicht. Ich meine persönliche, private Geheimnisse. Dinge, die man früher in eine Kiste gesteckt, in ein Tagebuch geschrieben oder seiner besten Freundin ins Ohr geflüstert hat. 

Und wo sind sie jetzt? In einer verschlüsselten Cloud? Einem anonymen Blog vielleicht oder in einer der vielen Tagebuch-Apps? Im Chatfenster der besten Freundin? 

Es sollte Allgemeinwissen sein, aber vorsichtshalber sage ich hier nochmal und mit Nachdruck: DAS INTERNET VERGISST NICHT. Alles, was Ihr online stellt, bleibt online. Für meine Kollegen ist es ein Leichtes, das Nacktfoto wieder herzustellen, das jemand seiner heimlichen Affäre per Chat geschickt hat. Kinderspiel, ehrlich. Wir tun es aber nicht, weil wir über eine moralische Verpflichtung verfügen. 
Pandoras Wächter haben einen Ehrenkodex. 
Viele andere Menschen haben das nicht. 

Sie lassen Eure Geheimnisse nur in Frieden, weil ihr nicht wichtig genug und Eure Geheimnisse somit nicht nützlich sind. 

Doch was passiert, wenn sich das ändert? 

Zettel und Papier sind gar nicht so unpraktisch, wie viele heutzutage denken. Ich mache jetzt den Rechner aus, nehme ein Blatt Papier zur Hand und schreibe dort mein allererstes Geheimnis drauf. Dann verbrenne ich das Blatt und sehe zu, wie die einzelnen Fetzen vom Wind weggetragen werden. 

Hütet Eure Geheimnisse. Sie machen Euch zu dem, was Ihr seid! 

Dein Leben gehört Dir. Watchdog Wendy